Berichte zu Vorträgen - verschoen

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Berichte zu Vorträgen

Berichte zu Vorträgen

Dieter Oelke referierte am 14.11.2013 beim Verschönerungs- und Gartenbauverein Dauborn über das Kaisermanöver 1905 in unserer Region. Über 30 interessierte Besucher verfolgten in der Dauborner Mehrzweckhalle die Ausführungen des Referenten.
Oelke unterstrich zu Beginn seines Vortrags die grundsätzliche Voraussetzung bei einem Kaisermanöver: Der Kaiser darf nicht verlieren!  Die Manöver vernachlässigten das Erfordernis kriegsmäßiger Übungen und hatten vor allem der Kriegsspielerei des Kaisers zu genügen.
Das Kaisermanöver hatte gewaltige Ausmaße. Zwei Armeekorps mit etwa 70 bis 80.000 Soldaten und über 20.000 Pferde waren im Einsatzgebiet. Es erstreckte sich im Gebiet von Koblenz bis Limburg. Die gegeneinander kämpfenden Truppen wurden in „blaue“ und „rote“ Einheiten aufgeteilt. Die Kennzeichnung erfolgte durch blaue und rote Binden an der Pickelhaube. Neben einem Großteil der Elite Deutschlands, wie z.B. der Kaiserin, der Söhne von Wilhelm II., eine große Anzahl von Prinzen, Prinzessinnen und anderen fürstlichen Würdenträgern waren auch hochrangige ausländische Vertreter als Manöverbeobachter anwesend. Hinzu kamen aber noch die vielen tausenden Besucher die dem Geschehen zusahen. Es war eine äußerst schwierige Aufgabe die Menschen alle unterzubringen. Jedes Hotel, jede Pension und private Vermieter waren wohl völlig ausgebucht.
Infanteriezug hinter einem Gehöft in Nauheim

Das Kampfgeschehen spielte sich zum Ende hin im Bereich des Mensfelder Kopfs in Höhe des ehemaligen Zollhauses, dem Nauheimer Kopf und dem Sensenkopf ab. Die Zeitungen berichteten von donnerten Geschützen und Maschinengewehren die sich mit dem Infanteriefeuer zu einem Höllenlärm vereinigten.
Am 15. September brach der Kaiser, als der Angriff noch in vollem Gange war, die Übungen ab. Was war geschehen? In einem Artikel der ehemaligen „Vereinsgemeinschaft Nauheim“ heißt es:
Alwin Pfeiffer aus Dauborn erinnert sich: Der Nebel hatte die Annäherung des „Blauen Korps“ begünstigt, und plötzlich sah sich der Kaiser mit seinem Stab umzingelt. Der Oberbefehlshaber der „Blauen“ Generalfeldmarschall Graf Gottlieb von Haeseler ritt auf den Kaiser zu und sagte: „Majestät wären im Ernstfall mein Gefangener, Majestät was nun?“ Nach kurzer Pause fuhr der Kaiser fort: Das Manöver ist beendet, Hornist blasen Sie „Das ganze halt“. Mit diesem Signal geblasen von dem Stabshornisten und Bataillons Tambour Alwin Pfeiffer aus Dauborn, ging das Kaisermanöver zu Ende. … Diese Aussage ist in keiner Zeitung und keinem Archiv veröffentlicht. Es durfte halt nicht öffentlich gemacht werden.

Dankeschön mit einer Flasche Dauborner









Kaiserliche Kriegsspiele 1911 zwischen Rhein, Main und Lahn.
So lautete der Titel des 1. Vortrags von Dieter Oelke  
Weitere Informationen dazu: www.dieter-oelke.de/41087.html


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Referat über die Hühnerkirche

Dr. Norbert Viehmann referierte beim Verschönerungs- und Gartenbauverein Dauborn über die historische Hühnerkirche. Der Vortrag fand am 17. Oktober in der Dauborner Mehrzweckhalle  vor „vollem Haus“,  in einer sehr persönlichen, entspannten Atmosphäre statt.  

Historische Pläne und Fotos, aber vor allem die zahlreiche Geschichten und Anekdoten, bereicherten das Referat rund um die landschaftsprägende Gebäudegruppe. Dr. Viehmann beschäftigte sich vor allem mit dem Namen der „Hühnerkirche“. Die Namensfindung war wohl nicht von Hühnern abgeleitet, sondern die Ersterwähnung der „Honerkirche“ 1500 und eine Skizze von 1719 zeigen, dass dort tatsächlich einmal eine Kirche stand. Eine Kirche auf einem hohen Berg, an einer hohen Straße - so Dr. Viehmann, der die Worte Hühnerkirche und Hühnerstraße aus dem keltischen Wortstamm „hûn“ für „hoch“ ableitete.
Über das Aussehen der ehemaligen Kirche gibt es inzwischen konkrete Vorstellungen. Bei Ausschachtungsarbeiten im Gastraum des heutigen Herrenhauses fanden sich nämlich die alten Grundmauern des Chores.

Dr. Norbert Viehmann bei seinem Vortrag

Die ehemalige Kirche sei in ihrer Bauweise vergleichbar mit der bis heute als Ruine existierenden Beller Kirche, dem Wahrzeichen von Eckelsheim, einer Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche schwer beschädigt. 1655 wurden Baumaterialien der Kirchenruine an die Gemeinde Walsdorf verkauft, wo sie zum Bau des dortigen Gotteshauses Verwendung fanden.
Hundert Jahre später wurde die bis auf die Römer zurückgehende Hühnerstraße als Handelsstraße wieder rege genutzt. Ein Rastplatz für Fuhrleute und Pferde wurde gebraucht. So benötigte die geplante Fahrpost von Thurn und Taxis eine Haltestation. 1777 entstand anstelle der ehemaligen Kirche ein Hofgut, das als Umspannstation mitunter über 50 Pferde zu versorgen hatte. Die ehemals in sich geschlossene Hofreite verfügte neben dem Gasthaus über zahlreiche Ställe, Scheunen, ein Brunnenhaus, ein Backhaus, einen Holzschuppen, ein Kohlenmagazin, ein Brauhaus, eine Branntweinbrennerei und eine Schmiede.
1822 wurde die Poststation nach Neuhof verlegt. Dadurch beschränkte sich die Nutzung der Hühnerkirche fortan auf die Landwirtschaft. 1865 übernahm die Familie Alberti das Anwesen, das sie seit 1806 bereits in Erbpacht hatte, und bewirtschaftet dieses noch heute. Bis in die 1960er Jahre hinein fand an der Hühnerkirche traditionell ein Heiratsmarkt statt. Bereits im 18. Jahrhundert wurde diese Tradition dokumentiert.

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Erinnerung an die Zwischenlandung des Zeppelin Z II bei Limburg im Jahr 1910

Heinz Maibach referierte in der Dauborner Mehrzweckhall vor 40 interessierten Besuchern über die Zwischenlandung des Zeppelins Z II am Blumenröder Hof. Bei der von Kaiser Wilhelm II. für den 22. April 1910 angeordneten Parade in Bad Homburg nahmen die Luftschiffe M I, P II und Z II daran teil. Direkt nach der Parade wurde das Luftschiff M I demontiert und per Bahn an seinen Standort gebracht. Der Start der beiden anderen Luftschiffe musste wegen schlechten Wetterverhältnissen verschoben werden. So konnte P II am 23. April den Rückflug nach Köln antreten.
Für den Zeppelin Z II war der Start für den kommenden Tag vorgesehen. So startete der Z II am 24. April 1910 in Bad Homburg zum Rückflug nach Köln. Wie man später feststellte, ein verhängnisvoller Fehler. Man war bereits am Tag zuvor über das Herannahen einer Schlechtwetterlage informiert worden. So kam es dann, dass Hauptmann von Jena wegen schlechtem Wetter südlich von Limburg beim Hof Blumenrod landen musste. Das Luftschiff wurde auf freiem Feld an einem eingegrabenen Bauernwagen mit Stahlseilen verankert. Es sollte am nächsten Tag seinen Flug nach Köln fortsetzen.
Ein Augenzeuge gab an die „Frkf. Zeitung“ nachfolgende Darstellung (s. Wlbg. Tageblatt vom 26.04.1910): „Es war gegen 1 Uhr, als ich den Z. 2 besichtigen wollte. Der Wind pfiff ganz gehörig, so daß das Luftschiff hin- und herflog. Dann und wann wurden die Soldaten, die es hielten, einen Meter über den Erdboden in die Lüfte gehoben. Ich ging um das Luftschiff herum und hörte verschiedene Kritiken, dass es nicht allzu sicher befestigt sei. Auf einmal setzte ein orkanartiger Sturm ein, das Luftschiff hob sich mit aller Wucht von dem Erdboden, zerriss sämtliche Stricke, an denen es befestigt war und stieg langsam senkrecht in die Lüfte. Alles lief durcheinander. Die Versuche der Soldaten, den Z. 2 festzuhalten, waren selbstverständlich vergeblich. In stolzer Freiheit schwebte Z. 2 in der Richtung nach Weilburg dahin und entschwand nach einiger Zeit den Blicken der Zuschauer.“
Kurze Zeit später sichtete man den führerlosen Zeppelin in der Nähe von Weilburg. Er wurde von mehreren Windböen erfasst und zerschellte schließlich an den Felsen des Webers Berges bei Weilburg. Es war bei der Strandung niemand zu Schaden gekommen. Der Z II war jedoch so stark beschädigt, das sofort mit der Demontage begonnen wurde.
 
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